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Gerda Henkel Vorlesung 2009
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„Städtischer Raum verlangt nicht nur nach Unterbringung, sondern nach Wertsetzungen." Andreas Tönnesmann blickt auf die Ideen von urbaner Öffentlichkeit in Geschichte und Gegenwart
Erstmals lebt die Mehrheit der Weltbevölkerung nicht mehr auf dem Land, sondern in Städten. Immer mehr Menschen konkurrieren folglich um immer weniger räumliche Reserven. Das gibt Anlass zu einem verstärkten Nachdenken über die Qualität von Architektur, wie Prof. Dr. Andreas Tönnesmann am 5. November im Rahmen der von ihm gegebenen diesjährigen Gerda Henkel Vorlesung erläuterte. Denn „städtischer Raum verlangt nicht nur nach Unterbringung, sondern nach Wertsetzungen“. Wie lohnend es in diesem Zusammenhang ist, sich über das Verhältnis von Öffentlichem und Privatem Rechenschaft zu geben, zeigte Andreas Tönnesmanns facettenreicher Rückgriff auf die Geschichte.
Gut 200 Gäste folgten in der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften seinem Vortrag, der einen weiten Bogen von der Zeit des Augustus bis zu den „gated areas“ des 21. Jahrhunderts spannte. Unter dem Titel "Architektur und Öffentlichkeit. Politik und Kultur städtischer Räume von der Antike bis zur Gegenwart" machte der an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich lehrende Kunsthistoriker anschaulich, wie Öffentlichkeit im Wandel der Zeiten verstanden und erzeugt wurde. Dass sich der moderne Begriff einer städtischen Öffentlichkeit nicht zuletzt vormodernen autoritären Machtverhältnissen verdankt, war nur einer seiner durch zahlreiche Abbildungen dokumentierten Befunde.
Prof. Dr. Andreas Beyer, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Gerda Henkel Stiftung, hatte zuvor in seiner Vorstellung des Referenten die hochsensible Wissenschaftssprache Andreas Tönnesmanns und seine große Wirkung als Hochschullehrer gewürdigt. Prof. Dr. Andreas Tönnesmann wurde 1953 in Bonn geboren und wuchs in Düsseldorf auf. Er studierte Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften und wurde 1980 an der Universität Bonn promoviert. Auf einen mehrjährigen Forschungsaufenthalt in Rom folgte 1989 die Habilitation an der Technischen Universität München. Von 1991 bis 2001 war er Professor an den Universitäten Bonn und Augsburg, seit 2001 ist er Professor für Kunst- und Architekturgeschichte an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Andreas Tönnesmann leitet dort das Institut für Geschichte und Theorie der Architektur. Außerdem ist er Titularprofessor an der Universität Basel sowie Mitherausgeber der „Zeitschrift für Kunstgeschichte“. Von 2001 bis 2008 war er Mitglied, seit 2006 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Gerda Henkel Stiftung. Sein besonderes Interesse gilt der Kunst und Architektur der Frühen Neuzeit sowie der Architektur des 20. Jahrhunderts.
Buchveröffentlichungen u.a.: Der Palazzo Gondi in Florenz (Worms, Werner 1983). – Santa Maria della Pietà. Die Kirche des Campo Santo Teutonico in Rom (Freiburg, Herder 1988), mit Ursula Verena Fischer Pace. – Pienza. Städtebau und Humanismus (München, Hirmer 1990, 2. Auflage 1996). – Hans Scharoun. Architekt in Deutschland 1893-1972 (München, C.H.Beck 1992), mit Norbert Huse u.a. – Der europäische Manierismus 1520-1610 (München, C.H.Beck 1997, französische Ausgabe Paris, Gallimard 1997), mit Daniel Arasse. – Kleine Kunstgeschichte Roms (München, C.H.Beck 2002). – Die Nase Italiens. Federico da Montefeltro, Herzog von Urbino (Berlin, Wagenbach 2005; Taschenbuch 2007; italienische Ausgabe Turin, Einaudi 2009), mit Bernd Roeck. – Die Kunst der Renaissance (München, Beck Wissen 2007).
Abb. oben:
Prof. Dr. Andreas Tönnesmann
Foto: Olaf Döring
© Gerda Henkel Stiftung
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Gerda Henkel Vorlesungen
Die fortschreitende Spezialisierung in allen Bereichen der Wissenschaft erfordert den intensiven und beständigen Gedankenaustausch der Wissenschaftler verschiedener Disziplinen sowie eine enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Seit 1981 bemüht sich die Gerda Henkel Stiftung, hierzu einen Beitrag zu leisten. Die nach dem in angelsächsischen Ländern verbreiteten Vorbild der "Lecture" organisierten Gerda Henkel Vorlesungen sollen ausländischen und deutschen Gelehrten Gelegenheit bieten, ihre jüngsten Forschungsergebnisse anderen Wissenschaftlern und einer interessierten Öffentlichkeit vorzustellen.
Veröffentlichungen
Im Rahmen der Gerda Henkel Vorlesungen wurden bisher die folgenden Vorträge publiziert:
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Seit 2000
Gerda Henkel Stiftung (Hg.),
Verleihung des Gerda Henkel Preises 2008
Richard Sennett: How I write: Sociology as Literature
Wie ich schreibe: Soziologie als Literatur (2008)
Dieter Langewiesche,
Staat, Nation und Föderation in der europäischen Geschichte (2008)
Gerda Henkel Stiftung (Hg.),
30-jähriges Stiftungsjubiläum und Verleihung des Gerda Henkel Preises 2006. Martin Warnke: Könige als Künstler (2007) Gerda Henkel Stiftung (Hg),
Das Bild des Menschen in den Wissenschaften (2002)
— Sammelband — Otto Gerhard Oexle,
Das Menschenbild der Historiker (2002)
Wolfgang Frühwald,
"Die Trübsal am Rande der posthumanen Wüsten". Zum Menschbild in der modernen Literatur (2001)
Ernst-Wolfgang Böckenförde,
Vom Wandel des Menschenbildes im Recht (2001)
Renate Mayntz,
Das Menschenbild in der Soziologie (2001)
Hans Maier,
Alter Adam - Neuer Mensch? - Menschenbilder in der Politik des 20. Jahrhunderts (2001)
Stefan Wild,
Mensch, Prophet und Gott im Koran - Muslimische Exegeten des 20. Jahrhunderts und das Menschenbild der Moderne (2001)
Kay Kohlmeyer,
Der Tempel des Wettergottes von Aleppo (2000)
Hans Belting,
Menschenbild und Körperbild (2000)
Martin Honecker,
Religion - Naturanlage oder Illusion? (2000)
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1990-1999
Ludwig Siep,
Ethik und Menschenbild (1999)
Hubert Markl,
Homo sapiens - Zur fortwirkenden Naturgeschichte des Menschen (1999) Thomas W. Gaehtgens,
Der Bürger als Mäzen (1998) Paul Zanker,
Der Kaiser baut fürs Volk (1997) Arnold Esch,
Kunstförderung im Italien des 15. Jahrhunderts: Fragen zwischen und Kunstgeschichte (1997) Georg Kauffmann,
Die Entstehung der Kunstgeschichte im 19. Jahrhundert (1993) Franz Georg Maier,
Von Winckelmann zu Schliemann - Archäologie als Eroberungswissenschaft des 19. Jahrhunderts (1992) Helmut Coing,
Die Privatrechtswissenschaft im 19. Jahrhundert in Europa (1991)
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1980-1989
Ernst H. Gombrich,
Wege zur Bildgestaltung. Vom Einfall zur Ausführung (1989)
Roma - caput et fons.
Zwei Vorträge über das päpstliche Rom zwischen Altertum und Mittelalter: - Arnold Angenendt
Princeps imperii - Princeps apostolorum.
Rom und die Einheit des Westens
- Rudolf Schieffer
Redeamus ad fontem.
Rom als Hort authentischer Überlieferung im frühen Mittelalter (1989)
Werner Fuchs,
Zu Neufunden klassich-griechischer Skulptur (1987) Franz Georg Maier,
Neque quies gentium sine armis: Krieg und Gesellschaft im Altertum (1987) Josef Fleckenstein,
Über die Anfänge der deutschen Geschichte (1987) Thomas Nipperdey,
Wie modern war das Kaiserreich? Das Beispiel der Schule (1986) Helmut Coing,
Europäische Grundlagen des modernen Privatrechts: Nationale Gesetzgebung und europäische Rechtsdiskussion im 19. Jahrhundert (1986)
Forschungen zur Stadtgeschichte.
Drei Vorträge: - Adalberto Giovannini,
Entstehung und Wesen der griechischen Polis
Adriaan Verhulst,
Zur Entstehung der Städte in Nordwest-Europa
Lothar Gall,
Die Stadt der bürgerlichen Gesellschaft, das Beispiel Mannheim (1986)
Bernard Andreae,
Die Symbolik der Löwenjagd (1985)
Kurt Bittel,
Denkmäler eines hethitischen Großkönigs des 13. Jahrhunderts vor Christus (1984) Hugh Trevor-Roper,
War der Nationalsozialismus ohne Beispiel? (1983)
Aus der Lutherforschung.
Drei Vorträge: - Bernd Moeller,
Luther und die Städte
- Heinrich Lutz,
Die politische und kulturelle Ausgangssituation der Reformation
- Erwin Iserloh,
„Mit dem Evangelium läßt sich die Welt nicht regieren“.
Luthers Lehre von den beiden Regimenten im Widerstreit (1983)
Ernst H. Gombrich,
Ideal und Typus in der italienischen Renaissancemalerei (1983) Christoph Luitpold Frommel,
Der Palazzo Venezia in Rom (1982)
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