Dokumentation zu diesem Projekt

Internationale Friedensbildung und lokaler Erfolg

Einführung

Weltweit leben eineinhalb Milliarden Menschen in Zonen, die von militärischen Konflikten betroffen sind. Gewalt prägt den Alltag, beschädigt das gesellschaftliche Gefüge und formt politische Institutionen. Internationale Interventionen können einen Beitrag dazu leisten, Blutvergießen zu beenden und Frieden zu stiften, erreichen ihre Ziele aber oftmals nicht und verschlimmern in einigen Fällen sogar die Situation. Die Forschung konzentriert sich in der Regel auf gescheiterte Missionen und untersucht Entwicklungen auf der Makroebene. Welche Faktoren dazu führen, dass internationale Bemühungen erfolgreich sind und wie sich im Zusammenspiel mit lokalen Akteuren Frieden erreichen lässt, wurde bislang kaum analysiert. Prof. Dr. Séverine Autesserre beschäftigt sich in ihrem Forschungsprojekt mit der Frage, wie und unter welchen Bedingungen internationale Akteure lokale Friedensbemühungen sinnvoll ergänzen können. Im Rahmen einer Pilotstudie betrachtet sie dabei den Krieg im Kongo und versucht, Parallelen zur Gestaltung von Friedensmissionen in anderen Konfliktregionen weltweit abzuleiten. Zerfallene staatliche Strukturen, eine tief gespaltene Gesellschaft, ein enormer Reichtum an Rohstoffen und massive Spannungen zwischen internationalen Friedensmissionen und lokalen Akteuren kennzeichnen insbesondere den Osten des Kongo.

Extensive Gewalt ist omnipräsent, und die Gesamtsituation gilt als äußerst schwer lösbar. Hunderte Nichtregierungsorganisationen und andere internationale Akteure haben Anstrengungen zur Eindämmung der Gewalt, zum Schutz von Menschenrechten und zum Aufbau von Sicherheit unternommen. Untersuchungen aus Politik und Forschung zur Friedensbildung im Kongo konzentrieren sich dabei in der Regel auf die Ursachen für die Gewalt und die Gründe für das Scheitern internationaler Interventionen. Auf der Grundlage eines ethnographischen Ansatzes spricht Prof. Autesserre sowohl mit internationalen Akteuren wie Geldgebern, Diplomaten, Mitgliedern von Friedensmissionen und Mitarbeitern internationaler Nichtregierungsorganisationen als auch mit ehemaligen und aktiven Kämpfern, Vertretern lokaler und nationaler Behörden, Angehörigen lokaler Eliten und einfachen Bürgern.

Ergänzend beobachtet sie Initiativen und Programme, die von ihren Interviewpartnern als erfolgreich definiert wurden, und nimmt soweit wie möglich an deren Aktivitäten teil. In Feldstudien untersucht Prof. Autesserre zum einen Orte, an denen entgegen aller auf die Entstehung von Gewalt hindeutender Indikatoren der Frieden überwiegt: Am Beispiel der Region Idjwi und der Stadt Butembo in der Provinz Nord-Kivu fragt sie danach, ob die Präsenz oder gerade auch die Abwesenheit internationaler Akteure hier eine Rolle gespielt haben und welche endogenen Faktoren entscheidend waren. Darüber hinaus bezieht sie lokale Initiativen wie die von kongolesischen Verbänden ins Leben gerufenen und international geförderten Versöhnungsprogramme in ihre Untersuchung mit ein, die beispielsweise durch saisonale Wanderbewegungen von Viehzüchtern im südlichen Kivu hervorgerufene Gewaltausbrüche signifikant reduziert haben. Ziel des von der Stiftung innerhalb ihres Sonderprogramms »Sicherheit, Gesellschaft und Staat« geförderten Forschungsprojekts ist es, den Prozess der Friedensbildung im Kongo besser zu verstehen und die Erkenntnisse auf andere Konflikte zu übertragen. Prof. Autesserre nimmt dafür an einer großen Bandbreite an Workshops und strategischen Beratungen unterschiedlicher Organisationen teil, besucht Veranstaltungen zur Friedensbildung in mehreren Ländern und Regionen und führt Interviews mit Vertretern erfolgreicher Missionen.

Fördermaßnahmen

Die Gerda Henkel Stiftung unterstützt das Forschungsprojekt durch die Gewährung von Fördermitteln zur Übernahme von Personal-, Reise- und Sachkosten.

Projektleitung

Prof. Dr. Séverine Autesserre

Columbia University (New York), Barnard College, Political Science

Bildnachweise

Abb.1–3: Foto: Philippe Rosen, 2011

Abb.4: Foto: Séverine Autesserre, 2016

Dieses Projekt wurde im März 2017 dokumentiert.