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Pressemitteilung, 05/04/2010

Gerda Henkel Stiftung bewilligt mehr als 1,7 Millionen Euro für neue Forschungsprojekte

Gut 1,7 Millionen Euro stellt die Gerda Henkel Stiftung für neue Forschungsvorhaben bereit. Das Themenspektrum reicht vom antiken Sklavenhandel bis zur Zukunft Al-Qaidas. Die Stiftungsgremien beschlossen in ihrer Frühjahrsitzung, 30 Vorhaben aus dem Bereich der Historischen Geisteswissenschaften im Basisprogramm und im Sonderprogramm „Zentralasien“ zu unterstützen. Fünf nicht ausschließlich historisch ausgerichtete Projekte fanden darüber hinaus Aufnahme in die Förderinitiativen „Konfliktforschung“ sowie „Islam, moderner Nationalstaat und transnationale Ideen“. In einer weiteren wesentlichen Entscheidung wählte das Kuratorium Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke für weitere fünf Jahre zu seinem Mitglied.

Auch 2010 unterstreicht die Gerda Henkel Stiftung ihr Engagement für eine personenbezogene Förderung von Forschung durch die Gewährung von Forschungsstipendien: Im Basisprogramm erhält u. a. die Althistorikerin Dr. Iris Samotta ein zweijähriges Forschungsstipendium für ihre Untersuchung des antiken Umgangs mit dem Menschen als Handelsobjekt: Obwohl Sklavenhandel in der Antike grundsätzlich statthaft war, wurde er nicht immer unter legalen Bedingungen betrieben. Auch gibt es der Allgegenwärtigkeit von Sklaven zum Trotz nur wenige Informationen über die Sklavenhändler. Frau Dr. Samotta möchte überprüfen, ob die zurückhaltende Überlieferung aus der Verdrängung eines im Grunde als anrüchig empfundenen Gewerbes resultiert, dessen antike Ausformung mehr Parallelen zum modernen Menschenhandel aufweist als bislang angenommen. Die Stiftung gewährt für die Umsetzung des Vorhabens neben dem Forschungsstipendium auch Reise- und Sachmittel.

Im Rahmen des Förderfeldes „Konfliktforschung“ bewilligten die Stiftungsgremien u. a. das Forschungsprojekt von Dr. Peter R. Neumann. Mit einem Forscherteam möchte der Direktor des International Centre for the Study of Radicalisation and Political Violence (ICSR) am King’s College London untersuchen, welcher Ideenkomplex Al-Qaida einst entstehen ließ und welche Faktoren für Terrorgruppen heute bestimmend sind. Fast ein Jahrzehnt nach den Ereignissen des 11. September registriert er einen Bedeutungsverlust des terroristischen Netzwerkes. Auf der Basis von bislang veröffentlichtem Material und Gesprächen mit beteiligten Politikern und Aktivisten verspricht sein Vorhaben neue Erkenntnisse über Vergangenheit und Zukunft Al-Qaidas, aber auch über generelle Tendenzen innerhalb der fundamentalistischen Bewegungen. Die Gerda Henkel Stiftung stellt für das Projekt Personal-, Reise- und Sachmittel zur Verfügung.

Innerhalb des 2009 eingerichteten Förderschwerpunktes „Islam, moderner Nationalstaat und transnationale Ideen“ wurde das Forschungsvorhaben von PD Dr. Sabine Damir-Geilsdorf bewilligt. Die Bonner Islamwissenschaftlerin analysiert für verschiedene islamistische Bewegungen (die palästinensische Hamas, die ägyptische Muslimbruderschaft, die libanesische Hizbollah und die bahrainische al-Wifaq al-islami al-watani) die jeweilige Auslegung der Scharia und fragt nach den Strategien, die die Akteure und Deutungseliten entwickeln, um die Scharia an gegenwärtige Herausforderungen anzupassen. Die Gerda Henkel Stiftung unterstützt das Projekt mit einem Forschungsstipendium für Frau Damir-Geilsdorf sowie mit weiteren Personal-, mit Reise- und Sachmitteln.

Einstimmig wurde Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke bis zum 31. Dezember 2015 als Mitglied des Kuratoriums bestätigt. Der Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts gehört dem Gremium der Gerda Henkel Stiftung seit 2006 an. Zuvor war er Mitglied und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung.

Dr. Sybille Wüstemann
Pressestelle
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