Gerda Henkel Preis 2018

Foto: Stephan Brendgen

Prof. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Achille Mbembe (Johannesburg)
Politikwissenschaft, Geschichte

"Achille Mbembe (*1957) zählt zu den international führenden Vertretern der postkolonialen Theorie und gehört zu den wenigen aus Afrika stammenden und auch in Afrika wirkenden Wissenschaftlern, die sich auf diesem hoch aktuellen Forschungsgebiet profiliert haben. International bekannt machte ihn zuerst sein Buch "De la postcolonie. Essai sur l’imagination politique dans l’Afrique contemporaine" (2000) (engl.: "On the postcolony"). Seither hat sich Mbembe mit seinem wissenschaftlichen Œuvre, in dem Geschichtsschreibung, politische Analyse und Philosophie auf eine ganz eigene Art miteinander verwoben werden, als einer der anregendsten Denker Afrikas ein weltweites Renommee verschafft. Seine auch ins Deutsche übersetzten Bücher "Kritik der schwarzen Vernunft" und "Ausgang aus der langen Nacht“ sind eindrucksvolle Zeugnisse einer sehr eigenständigen und ebenso kritischen wie selbstkritischen Denkweise, die Mbembes Forschungen durchgängig prägen. Seine ebenso kontroversen wie beunruhigenden Überlegungen zu Afrikas Platz in einer globalen Ordnung entfalten ihre nachhaltige Wirkung auch weit über grundlegende Debatten über den Postkolonialismus hinaus. Sie lenken den Blick auf das "Labor Afrika" jenseits aller gängigen Stereotypen und verweisen auf Zusammenhänge zwischen Kolonialismus, Rassismus und Kapitalismus, die auch hierzulande immer noch einer fundierten Auseinandersetzung bedürfen."  (Begründung der Jury)

Achille Mbembe ist Research Professor für Geschichte und Politik am Wits Institute for Social and Economic Research (WISER), University of the Witwatersrand, Johannesburg, Südafrika. Der gebürtige Kameruner wurde im Fach Geschichte an der Université de Paris 1 Panthéon-Sorbonne promoviert und legte ein Diplôme d’études approfondies (DEA) an der Sciences Po ab. Er lehrte an der Columbia University, der University of Pennsylvania und der Duke University. Von 1996 bis 2000 war er Executive Director des Council for the Development of Social Science Research in Africa (CODESRIA). Schon zuvor veröffentlichte Achille Mbembe zahlreiche Abhandlungen zu afrikanischer Politik und Geschichte. Seine bahnbrechende Publikation „On the Postcolony” (Berkeley 2001, dt. „Postkolonie: Zur politischen Vorstellungskraft im gegen wärtigen Afrika“, 2016) hat den postkolonialen Diskurs und viele andere Disziplinen im Bereich der Geisteswissenschaften maßgeblich beeinflusst. Achille Mbembe hat viele Auszeichnungen erhalten, darunter 2018 den Ernst-Bloch-Preis und 2015 den Geschwister-Scholl-Preis. Mit seinem späteren Werk („Sortir de la grande nuit“, 2010, dt. „Ausgang aus der langen Nacht“, 2016; „Critique de la raison negre“, 2013, dt. „Kritik der schwarzen Vernunft“, 2014; und „Politiques de l’inimitié“, 2016, dt. „Politik der Feindschaft“, 2017) trug er wesentlich zur Erneuerung der kritischen Theorie aus der Perspektive des globalen Südens bei.

Seine zahlreichen Bücher wurden in verschiedene Sprachen übersetzt, u. a. ins Deutsche, Italienische, Spanische, Englische, Niederländische, Portugiesische, Polnische, Rumänische und Arabische. Als Mitglied der American Academy of Science und weltweit geschätzter öffentlicher Intellektueller gilt Achille Mbembe als einer der führenden Autoren in französischer Sprache.

Preisrede von Prof. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Achille Mbembe

Reflections on African Objects and Restitution
in the Twenty-First Century

Michelle Müntefering, Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt

Laudatio auf Prof. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Achille Mbembe

Podiumsdiskussion

Prof. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Achille Mbembe
im Gespräch mit Prof. Dr. Andreas Eckert