Foto: Johan Wahlgren für SCAS

Prof. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Lorraine Daston (Berlin)

"Die Wissenschaftshistorikerin Lorraine Jenifer Daston gehört zu den weltweit renommiertesten Vertreterinnen und Vertretern ihres Faches. Sie war seit 1995 bis zu ihrer Emeritierung (2019) Direktorin am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin, nachdem sie zuvor unter anderem an den Universitäten in Harvard, Princeton, Göttingen und Chicago tätig war. Von Beginn an steht im Zentrum ihrer Forschungen das Faszinosum „Wissenschaft“, dessen Ursprünge das Staunen und die Neugierde sind, die schon für Aristoteles die Anfänge aller wissenschaftlichen Erkenntnis bildeten. Durch eine Kombination aus philosophischen Fragestellungen und historischer Kontextualisierung sucht sie grundsätzliche Kategorien der Wissenschaft wie Naturgesetz, Rationalität, Objektivität und wissenschaftliche Praktiken wie Beobachtung, Messung, Experiment, Visualisierung in deren jeweiliger geschichtlichen Vermitteltheit zu ergründen. Die Spanne ihrer zahlreichen Bücher und Aufsätze ist thematisch wie zeitlich außergewöhnlich breit: von der Frühen Neuzeit bis ins 21. Jahrhundert hinein, von den Wunderkammern des Barock bis zur wissenschaftlichen Quantifizierung. Ihre Publikationen verbinden analytischen Scharfsinn und beeindruckende Sachkenntnis mit äußerster Klarheit der Argumentation und stilistischer Brillanz. Frau Daston hat mit ihren innovativen Forschungen nicht nur ihr Fach, sondern auch die Geisteswissenschaften insgesamt nachhaltig geprägt. Zudem gelingt es ihr auf beeindruckende Weise, ihre Forschungen zu Kategorien wie Wahrheit, Beweis oder Tatsache für zentrale Debatten der Gegenwart fruchtbar zu machen. In einer Zeit, in der Wert und Glaubwürdigkeit wissenschaftlicher Erkenntnis auf ganz unerwartete Weise relativiert oder auch grundsätzlich in Frage gestellt werden, kommt den wissenschaftshistorischen Forschungen der Preisträgerin höchste Bedeutung und Aktualität zu." (Begründung der Jury)

Prof. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Lorraine Jenifer Daston studierte an der Harvard University, wo sie, nach einer Station an der University of Cambridge, im Fach Wissenschaftsgeschichte auch promoviert wurde. Nach Lehrtätigkeiten an den Universitäten Harvard, Princeton, Brandeis, Göttingen und Chicago wirkte sie von 1995 bis 2019 als Direktorin am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin. Seit 2005 gehört sie dem Committee on Social Thought der University of Chicago als Mitglied an. Lorraine Daston ist zudem Permanent Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin. Für ihre Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet. Zu ihren Büchern zählen u.a. Against Nature (2019) (deutsch: Gegen die Natur), mit P. Galison: Objectivity (2007) (deutsch: Objektivität), (mit K. Park) Wonders and the Order of Nature, 1100-1750 (1998) (deutsch: Wunder und die Ordnung der Natur).