Pressemitteilung, 08.04.2020

WOLF ODER HAMSTER? DAS CORONAVIRUS AUS GEISTESWISSENSCHAFTLICHER PERSPEKTIVE

STIMMEN ZUM UMGANG MIT DER PANDEMIE - ZUM NACHHÖREN UND LESEN AUF L.I.S.A. - WISSENSCHAFTSPORTAL GERDA HENKEL STIFTUNG

"Vieles wird in die Normalität zurückspringen, aber nicht alles, es werden 'Corona-Muster' bleiben." (Prof. Dr. Paul Nolte)

Ist der Mensch dem Menschen ein Wolf oder Hamster? Müssen wir unsere Zeitrechnung zukünftig in "v. Cor." und "n. Cor." trennen? Lässt sich aus der Seuchengeschichte (doch) lernen? Die Redaktion des Wissenschaftsportals der Gerda Henkel Stiftung L.I.S.A. hat Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftler zu Gesprächen über Covid19 eingeladen: In Textbeiträgen, Online-Chats und Videointerviews erörtern Forscherinnen und Forscher Versorgungsengpässe in Geschichte und Gegenwart, die Sprache in Zeiten der Pandemie, Medizingeschichte als Wirtschaftsgeschichte und warum von einer „Expertokratie“ aus historischer Sicht abzuraten ist. Sie vergleichen aktuelle Eindrücke aus Forschungsstandorten im In- und Ausland sowie Sinn und Unsinn mancher Debatten (https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/dossier_corona).

LogBuch "Corona, geisteswissenschaftlich betrachtet"
Das Projekt entstand auf Twitter. Prof. Dr. Jürgen Zimmerer hatte gefragt, warum sich aus den Geisteswissenschaften kaum Stimmen zur Coronakrise und ihren Folgen Gehör verschaffen. Georgios Chatzoudis, Gerda Henkel Stiftung, bot das interaktive Wissenschaftsportal L.I.S.A. als Plattform an. Andere Forscher folgten der Einladung zum täglichen LogBuch. Seit dem 26. März diskutierten zunächst der Historiker Prof. Dr. Paul Nolte sowie die Kunsthistorikerin Dr. Mahret Ifeoma Kupka u.a. über die Coronakrise als "Epochenwende" und "Überraschung". Ab dem 1. April sprachen die Archäologin Dr. Natascha Bagherpour Kashani und der Historiker Prof. Dr. Andreas Rödder u.a. über die Themen Corona in Europa und das Kommunizieren über die Pandemie. Aktuell wirken mit: die Soziologin und Gender-Forscherin Prof. Dr. Paula-Irene Villa Braslavsky sowie der Historiker Dr. Patrice G. Poutrus. Gastgeber Jürgen Zimmerer und Georgios Chatzoudis beteiligen sich als mitdebattierende Moderatoren (https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/dossier_coronalogbuch).

60 Tage, 60 Nächte. Ein Coronabericht aus Venedig
Die Doktorandin Ella Beaucamp wohnt in München, forscht derzeit jedoch am Deutschen Studienzentrum in Venedig. Für den Zeitraum von zwei Monaten, vom 28. Januar bis 26. März 2020, hat sie ihr Leben in Italien niedergeschrieben - zwei Monate, für die die Kunsthistorikerin in einem Wechsel aus Nah- und Fernsicht die weltweite Ausbreitung des Virus und die sich rasant verändernden Lebensbedingungen in der Lagunenstadt festgehalten hat (https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/coronabericht_aus_venedig).

Seuchen und ihre Geschichte
Der Historiker Prof. Dr. Malte Thießen, Autor des Buches "Immunisierte Gesellschaft. Impfen in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert", beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte der Seuchen. Im L.I.S.A.-Interview warnt er davor, mit Analogien zur "Spanischen Grippe" Ängste zu schüren. Und er macht deutlich: Während manche aktuelle Debatten alte Hüte sind, ist unser Verständnis der Coronakrise als Zäsur ein historisches Novum (https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/seuchen_und_impfen_thiessen).

Ökonomie im Krankenhaus
2019 veröffentlichte die Zeitschrift "Stern" den inzwischen von knapp 3.000 Ärztinnen und Ärzten unterzeichneten Appell "Rettet die Medizin". Die Mediziner machten darin auf die Belastungen aufmerksam, denen sie durch Konflikte zwischen medizinischen und ökonomischen Entscheidungskriterien ausgesetzt sind. In demselben Jahr legte der Soziologe Dr. Robin Mohan seine Untersuchung "Die Ökonomisierung des Krankenhauses" vor. Dass wir uns angesichts der aktuellen Pandemie auf eine bedürfnisorientierte Gesundheitsversorgung umstellen werden, glaubt er eher nicht. Robin Mohan in seinem jetzigen Gespräch mit der L.I.S.A.-Redaktion: "Die kapitalistische Produktionsweise ist kein System der Vor- und Fürsorge" (https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/oekonomisierung_krankenhaus_mohan).

Ebenfalls bereits online:
- Prof. Dr. Peter Trawny: der Philosoph über Uneinigkeit in der Wissenschaft, den Menschen als Natur- und Kulturwesen und ob er glaubt, dass wir durch Negativität lernen (https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/coronavirus_denkenohnegelaender).

- Thomas Gartmann: der Stipendiat über "Stürme, Seuchen, Spekulanten. Antike Beurteilungen der Ursachen von Versorgungsengpässen in Rom". Gartmann: "Bereits für antike Krisen wurden ganz unterschiedliche individuelle Reaktionen beschrieben - von der selbstlosen Aufopferung bis zur egoistischen Niederträchtigkeit" (https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/gartmann_seuchen_antike).

Demächst bei L.I.S.A.:
- ein Interview mit Prof. Dr. Andreas Reckwitz, Professor für Allgemeine Soziologie und Kultursoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin
- über die Studie der Akkon Hochschule für Humanwissenschaft "zu Verhalten, Erleben und Bewältigung der deutschen Bevölkerung  in der Corona-Krise"
- "Koronis und der Wildtiermarkt", ein Text des Philosophen Dr. Christoph Quarch.

Interviewwünsche und Newsletter:
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Kontakt:
Pressestelle der Gerda Henkel Stiftung
Dr. Sybille Wüstemann
Telefon +49 211 93 65 24 - 19
Telefax +49 211 93 65 24 - 44
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