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Arbeiten am Mentsun Lhakhang Felshöhlentempel, Distrikt Mustang, Nepal
Einführung Seit 1997 engagiert sich die Gerda Henkel Stiftung in der Region Nord-Mustang, Nepal, mit der Förderung kunsthistorischer Forschung und der Dokumentation von Tempelanlagen. Im Zentrum der von Dzongsar Ngari Thingo Rinpoche (†) und der Kunsthistorikerin Susanne von der Heide durchgeführten Arbeiten steht unter anderem der Felshöhlentempel Mentsun Lhakhang im Bereich der Ortschaft Tetang. Es ist die bisher älteste buddhistische Höhlentempelstätte Nepals und gehört unter anderem neben dem Kloster Tabo im indischen Himachal Pradesh zu den ältesten Tempelanlagen im gesamten Himalayamassiv. Mentsun Lhakhang ist reich mit Wandmalereien und Lehmstuckstatuen aus frühbuddhistischer Zeit ausgestattet. Nachdem ein Teil des nach außen ragenden Tempeldaches einbgebrochen war, konnten Regen und Schnee eindringen, so dass die in ihrem Stil in Nepal einzigartigen Wandmalereien teilweise beschädigt oder zerstört wurden. Ziel eines von der Stiftung in die Förderung aufgenommenen Forschungsprojekts ist es, das Dach des Mentsun Lhakhang Tempels instand zu setzen und die Wandmalereien zu restaurieren. Im Rahmen des Projekts werden zudem fünf Studenten des von Susanne von der Heide mit aufgebauten Masterstudiengangs Conservation and Urban Design am Bhaktapur Engineering and Architecture College, Purbanchal University, Nepal, im Bereich der Konservierung von Kulturgütern ausgebildet.
Zum Hintergrund
Die seit 1997 von Dzongsar Ngari Thingo Rinpoche und Susanne von der Heide in der Felshöhlenstätte Mentsun Lhakhang durchgeführten Arbeiten haben ergeben, dass es sich bei den Wandmalereien und Lehmstatuen um erheblich frühere Darstellungen handelt, als bisher angenommen worden war. Stilrichtungsmerkmale weisen sogar Ähnlichkeiten mit den frühen indischen Malereien aus der Gupta-Zeit von Ajanta und Ellora auf. Sowohl der Stil der Motive als auch die Maltechnik einschließlich der Farbgebung unterscheiden sich von den normalerweise bekannten tibetischen Darstellungen. Außerdem weist der Tempel Mentsun Lhakhang eindeutige Merkmale auf, die die Verwandtschaft zur frühbuddhistischen Kunst Nordindiens und Westtibets belegen, und es lassen sich Vergleiche mit entsprechenden Funden entlang der Seidenstraße herstellen.
Die Untersuchungen der in Mentsun Lhakhang vorgefundenen Malereien und Skulpturen untermauerten die These, dass es sich bei der Region Nord-Mustang um ein viel älteres kulturelles Zentrum frühbuddhistischer Kunstentwicklung handelt, als bisher angenommen worden war. Dieser Nachweis ist nicht nur für das Gebiet von Mustang, sondern ebenso für die Historie der kunsthistorischen Entwicklung des gesamten Tibeto-Himalaya Raumes von besonderer Bedeutung: Nach dem Zerfall der Yarlung Dynastie in Zentraltibet und der Ermordung von König Langdharma im Jahr 842 wanderte ein Teil der alten Aristokratie, unter ihnen Mitglieder der ehemaligen Königsfamilie, in die sichereren Gebiete von Westtibet aus. Einer ihrer Nachkommen, der Herrscher von Gu-ge, König Yeshe-o, gab in der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts seinen Titel auf, um buddhistischer Mönch zu werden. Er und sein Neffe Jyangchub-o veranlassten, dass die besten buddhistischen Gelehrten ihrer Zeit nach Westtibet eingeladen wurden, um die Lehre zu verbreiten und Schriften zu übersetzen. Darüber hinaus entsandten sie tibetische Lamas nach Indien, um sie dort bei berühmten buddhistischen Lehrmeistern ausbilden zu lassen und Schriften ins Tibetische zu übersetzen. Eine Renaissance des Buddhismus setzte daraufhin in Tibet ein, was enormen Einfluss auf die Nachbarregionen, darunter auch Mustang, hatte. Auf ihrem Weg von oder nach Gu-ge und Pu-rang durchquerten viele der Gelehrten Mustang als südlichsten Grenzdistrikt der westtibetischen Herrschaftsgebiete und hielten sich oftmals längere Zeit hier auf, wie Ngari Thingo Rinpoche durch Übersetzung alter Schriften nachweisen konnte. Unter ihrem Einfluss entstanden so im Himalaya ebenfalls Tempelstätten und Klosteranlagen mit eindrucksvoll bemalten Kulträumen und wertvoller Ausgestaltung. In dieser prosperierenden Zeit, die viele Veränderungen und neue Impulse mit sich brachte, entstand auch der Felshöhlentempel Mentsun Lhakhang.
Abbildung oben:
Der Felshöhlentempel Mentsun Lhakhang
Abbildung unten:
Vairocana und Wandmalereien
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