Press Releases



Pressemitteilung, 04/11/2017

Gerda Henkel Stiftung fördert Erforschung seltener Salzmumien

Für mehr als 40 neue Forschungsprojekte 3,5 Millionen Euro bewilligt | Weitere Fördermittel für Untersuchungen zur Geschichte des Sklavenhandels in der Demokratischen Republik Kongo, zu einem byzantinischen Schatz aus Bulgarien und zum „Jungen Rheinland“ beschlossen

Die Gerda Henkel Stiftung nimmt mehr als 40 neue Forschungsvorhaben in ihre Förderung auf. Die Stiftungsgremien entschieden in ihrer diesjährigen Frühjahrssitzung, rund 3,5 Millionen Euro für wissenschaftliche Projekte zur Verfügung zu stellen. Im Rahmen ihres Förderschwerpunktes „Patrimonies“ unterstützt die Stiftung u.a. zwei Kooperationsprojekte: Unter Beteiligung von Forschern in Iran werden seltene Salzmumien restauriert. Im Zentrum einer kongolesisch-belgischen Zusammenarbeit wiederum stehen unbekannte Zeugnisse des Sklavenhandels in der heutigen Demokratischen Republik Kongo. Weitere wesentliche Förderentscheidungen gelten dem bedeutenden Schatz von Preslav aus dem 10. Jahrhundert sowie einem Düsseldorfer Projekt über die Künstlervereinigung „Das junge Rheinland“.

Seit 1994 wurden in einem Salzbergwerk bei Chehrābād im Nordwesten der Islamischen Republik Iran Überreste von mindestens sechs Salzmumien gefunden. Sie gehen zurück auf Grubenunglücke in der Zeit zwischen ca. 400 v. Chr. und dem 5./6. Jahrhundert n. Chr. und stellen die einzigen bislang noch erhaltenen Salzmumien dar. Die Mehrzahl der so genannten „Salzmänner“ ist im Zolfaghari-Museum in Zanjān ausgestellt, eine Salzmumie wird in Teheran aufbewahrt. Eine iranisch-deutsche Forschergruppe wird gemeinsam Maßnahmen zur dauerhaften Bewahrung und Präsentation der Funde durchführen. Geplant ist zudem, herausragende Objekte zu restaurieren und Sonderausstellungen in Teheran und Deutschland vorzubereiten. Die Leitung des Vorhabens liegt am Deutschen Bergbau-Museum Bochum. Beteiligt sind darüber hinaus das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz, das Naturhistorische Museum Wien und das Archäologische Museum Frankfurt in Kooperation mit der Iran Cultural Heritage Organisation Zanjan und dem Nationalmuseum Teheran.

Schätzungsweise fast eine Million Menschen wurden als Sklaven aus dem Gebiet der heutigen Demokratischen Republik Kongo über den Atlantik und Indischen Ozean verschleppt. Eine wichtige Rolle kam swahili-arabischen Kaufleuten von der ostafrikanischen Küste zu, die im 19. Jahrhundert in die kongolesische Provinz Maniema eindrangen, wo sie berüchtigte Sklaven- und Elfenbeinmärkte aufbauten. Während das Wissen um den Sklavenhandel und seine soziale Folgen für die Region bislang vor allem auf schriftlichen Darstellungen von Entdeckungsreisenden, Kolonialbehörden oder den swahili-arabischen Akteuren selbst beruht, ist das materielle und immaterielle Erbe noch unerforscht. Erste archäologische Untersuchungen, finanziert von der Regierung der Demokratischen Republik Kongo, haben 2016 wichtige historische Stätten sichtbar werden lassen. Ziel eines Kooperationsprojektes der Universität Brüssel, des Nationalmuseums von Kinshasa, der Universität von Lubumbashi (beide Demokratische Republik Kongo) sowie des Königlichen Museums für Zentral-Afrika (Belgien) ist es, diese für die Kolonialgeschichte des Landes bedeutenden Stätten dauerhaft zu sichern, Ausgrabungen durchzuführen sowie die materiellen und mündlichen Überlieferungen zu dokumentieren, um sie vor ihrem drohenden Verlust zu bewahren.

Der Schatz von Preslav (Bulgarien) aus dem 10. Jahrhundert besteht aus seltenen Objekten aus Edelmetallen, Edelsteinen und Emaille. Entdeckt 1978 bei Pflugarbeiten, gehören die kostbaren Funde mit ihrem großen Materialwert und ihrer hervorragenden Qualität zu den seltenen byzantinischen Edelmetallobjekten, die archäologisch ergraben wurden. Im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz wird der Schatz mit Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung restauriert und umfassend untersucht. Im Rahmen des Projekts sollen die methodischen Möglichkeiten heutiger interdisziplinärer Forschung umfänglich genutzt und das Thema in die Lehre integriert werden.

Im Februar 2019 jährt sich die Gründung der Künstlervereinigung „Das junge Rheinland“ zum 100. Mal. Zwischen 1919 und 1932 schlossen sich hier rund 300 Künstler und Intellektuelle zusammen: Maler und Grafiker, Architekten, Gestalter und Typografen, Dichter und Schauspieler. Sie stammten zumeist aus Düsseldorf und der näheren Umgebung, doch reichten die Verbindungen auch in andere Städte und erstreckten sich auch auf Kunsthistoriker und Kunsthändler. Ein großer öffentlicher Bestand an Werken des „Jungen Rheinland“ sowie ergänzende dokumentarische Bestände befinden sich im Museum Kunstpalast, Nachfolger des Düsseldorfer Kunstmuseums. Kunsthistoriker der Stiftung Museum Kunstpalast und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf widmen sich nun dem Netzwerk des „Jungen Rheinland“ und seinen Auswirkungen auf die Kunstpraxis. Ziel ist eine Forschungsplattform, die Informationen zu Personen, Werken, Ausstellungen und Publikationen des „Jungen Rheinland“ bündelt und während des Projekts entstehende wissenschaftliche Veröffentlichungen abrufbar macht.

Die Gerda Henkel Stiftung
Die Gerda Henkel Stiftung wurde im Juni 1976 von Frau Lisa Maskell zum Gedenken an ihre Mutter Gerda Henkel als gemeinnützige Stiftung des privaten Rechts mit Sitz in Düsseldorf errichtet. Ausschließlicher Stiftungszweck ist die Förderung der Wissenschaft, vornehmlich durch bestimmte fachlich und zeitlich begrenzte Arbeiten auf dem Gebiet der Geisteswissenschaft an Universitäten und Forschungsinstituten. Die Weiterbildung graduierter Studenten ist ein besonderes Anliegen der Stiftung. Die Förderungen der Gerda Henkel Stiftung gelten den Historischen Geisteswissenschaften, vorrangig der Geschichtswissenschaft, der Archäologie, der Kunstgeschichte und historischen Teildisziplinen. Seit einigen Jahren wendet sich die Stiftung vor allem im Rahmen der Sonderprogramme „Islam, moderner Nationalstaat und transnationale Bewegungen“ sowie „Sicherheit, Gesellschaft und Staat“ auch gegenwarts- und zukunftsbezogenen Themen zu. Im Rahmen des Lisa Maskell Stipendienprogramms fördert die Stiftung seit 2014 junge Geisteswissenschaftler in Afrika und Südostasien. Seit 2015 setzt sich die Stiftung in ihrem Förderschwerpunkt „Patrimonies“ verstärkt für den Erhalt kulturellen Erbes vor allem in Krisenregionen ein. Die Gerda Henkel Stiftung ist in Deutschland und international tätig. Seit ihrem Bestehen wurden weltweit mehr als 6.600 Forschungsprojekte mit rund 160 Millionen Euro unterstützt (www.gerda-henkel-stiftung.de).

Kontakt:
Gerda Henkel Stiftung
Pressestelle
Dr. Sybille Wüstemann
Tel.: 0211 93 65 24 19
E-Mail: wuestemann@gerda-henkel-stiftung.de
www.gerda-henkel-stiftung.de